Bildschirm, Social Media und Sorgen: Was digitale Medien mit uns machen
Ein kurzer Blick aufs Handy, und eine Stunde ist vergangen. Nachrichten, Videos, Chats und Posts begleiten uns fast überall. Digitale Medien bieten viel: Kontakt, Information, Unterhaltung. Viele Menschen, besonders junge, berichten aber auch von Anspannung, Unruhe und Ängsten im Zusammenhang mit ihrer Mediennutzung. Was steckt dahinter, und was kann im Alltag helfen?
Ein Zusammenhang, keine einfache Ursache
Ob Medien Ängste auslösen oder ob ängstliche Menschen mehr Zeit online verbringen, ist nicht eindeutig geklärt. Wahrscheinlich gibt es beides. Entscheidend sind meist weniger die Stunden als die Art der Nutzung und die Lebensumstände: Wie geht es Ihnen, wenn Sie online sind, und wie fühlen Sie sich danach?
Was Anspannung begünstigen kann
- Dauerhafte Informationsflut: Immer neue Nachrichten und Benachrichtigungen lassen das Nervensystem kaum zur Ruhe kommen.
- Vergleiche mit anderen: In sozialen Medien sehen wir meist Ausschnitte, die gut aussehen. Der eigene Alltag wirkt daneben schnell unzureichend.
- Angst, etwas zu verpassen (FOMO): Wer immer erreichbar bleiben möchte, kommt schwer zum Abschalten.
- Belastende Nachrichten und Bilder: Wer viel Krisenberichte sieht, erlebt die Welt leicht als bedrohlicher, als sie im eigenen Umfeld ist.
- Gestörter Schlaf: Bildschirme am Abend verschieben das Einschlafen, und Müdigkeit macht Sorgen oft größer.
Der Blick auf Partnerschaft und Familie
Aus systemischer Sicht ist Mediennutzung selten nur eine Sache des Einzelnen. In vielen Beziehungen und Familien wird das Handy zum Streitthema: Eltern sorgen sich, Jugendliche fühlen sich kontrolliert, und aus Sorge und Abwehr entsteht ein Kreislauf. Auch Erwachsene nutzen Medien, um abzuschalten oder Stress auszuweichen, und Kinder beobachten, wie wir damit umgehen. Hilfreicher als Verbote sind meist gemeinsame Absprachen, die zu Ihrer Partnerschaft und Familie passen.
Was im Alltag helfen kann
- Medienpausen: Kleine Auszeiten am Tag oder ein bewusst gerätefreier Abend sind oft leichter durchzuhalten als ein kompletter Verzicht.
- Feste Zonen und Zeiten: Zum Beispiel keine Handys am Essenstisch und nicht im Schlafzimmer.
- Nachrichten dosieren: Ein oder zwei feste Zeitpunkte am Tag reichen meist aus.
- Bewusst auswählen: Folgen Sie Accounts und Inhalten, die Ihnen guttun, und lassen Sie andere stumm schalten.
- Begegnung im Alltag: Gemeinsame Zeit mit Freunden und Familie, Bewegung und frische Luft wirken oft ausgleichend.
- Achtsamkeit: Kurze Pausen, in denen Sie in Ruhe atmen und Ihre Gedanken vorbeiziehen lassen, können helfen, zur Ruhe zu kommen.
- Gespräch statt Kontrolle: Fragen Sie Ihren Partner / Ihr Kind, was ihm an seinen Medien gefällt und was es belastet.
- Kritisches Hinterfragen: Fragen Sie sich selbst, was Sie an Ihrem medienkonsum bereichert und was zur Belastung wird
Für alle, ob in Partnerschaft, Familie oder allein, gilt: Selbstfürsorge heißt, die eigenen Signale ernst zu nehmen. Fragen Sie sich nach der Mediennutzung: Fühle ich mich danach ruhiger, verbunden und gestärkt, oder eher leer, unruhig und erschöpft? Die Antwort zeigt, was Ihnen guttut und was Sie verringern möchten. Dazu gehört auch, sich bewusst Dinge zu gönnen, die nichts mit Bildschirmen zu tun haben: ein gutes Essen, ein Spaziergang, ein Hobby, ein Gespräch.
Wann Unterstützung sinnvoll sein kann
Wenn Sie, Ihr Partner oder Ihr Kind sich zunehmend zurückziehen, schlecht schlafen, die Kontrolle über die Nutzungszeit verlieren oder starke Ängste und Niedergeschlagenheit auftreten, kann ein Gespräch entlasten. Als Heilpraktikerin für Psychotherapie begleite ich Einzelne, Paare und Familien dabei, Belastungen zu verstehen und neue Wege zu finden. Sie können allein, als Paar oder mit Ihrer Familie kommen. Bei starken Beschwerden empfehle ich zusätzlich eine ärztliche Abklärung. Bei Kontrollverlust in der Mediennutzung können Suchtberatungsstellen weiterhelfen.
Sie müssen Medien nicht verteufeln. Es geht darum, dass sie Ihnen dienen und nicht umgekehrt.
