Alkohol, Zigaretten und Co.: Wenn Gewohnheiten zur Abhängigkeit werden
Das Glas Wein am Abend, die Zigarette in der Pause: Für viele Menschen gehören solche Rituale zum Alltag. Sie entspannen, schaffen Gesellschaft oder fangen Stress ab. Manchmal verändert sich jedoch etwas: Aus der Gewohnheit wird ein Bedürfnis, und aus dem Bedürfnis ein Muss. In diesem Beitrag erfahren Sie, woran Sie das erkennen können und welche Wege es gibt.
Zwischen Genuss und Abhängigkeit
Die Grenze ist fließend: Es gibt gelegentlichen Genuss, es gibt riskanten Konsum, und es gibt Abhängigkeit. Dabei ist zu bedenken, dass Fachleute für Alkohol keine völlig unbedenkliche Menge nennen, und Nikotin macht besonders schnell abhängig. Entscheidend ist weniger die Menge als die Frage, welche Rolle der Konsum in Ihrem Leben spielt.
Woran Sie ein Problem erkennen können
- Starkes Verlangen: Der Gedanke an Verzicht löst Unruhe oder Anspannung aus.
- Kontrollverlust: Sie konsumieren mehr oder länger, als Sie sich vorgenommen hatten.
- Gewöhnung: Für dieselbe Wirkung braucht es mehr.
- Entzugszeichen: Beim Weglassen treten Unruhe, Reizbarkeit, Zittern, Schwitzen oder Schlafprobleme auf.
- Weitermachen trotz Folgen: Gesundheit, Partnerschaft oder Beruf leiden, und der Konsum bleibt.
- Alltag rund um den Konsum: Vorräte anlegen, Gelegenheiten planen, den Konsum verheimlichen.
Diese Aufzählung ersetzt keine Diagnose.
Warum es so schwer ist, aufzuhören
Konsum wirkt kurzfristig: Er entspannt, tröstet oder verbindet. Mit der Zeit koppeln sich bestimmte Auslöser daran, etwa Stress, Langeweile, Feierabend, Streit oder Gesellschaft, und der Körper gewöhnt sich an die Substanz. Dazu kommen Scham und der Gedanke „Ich müsste das allein schaffen“, die oft dazu führen, dass Betroffene lange schweigen. Mit mangelnder Willenskraft hat das nichts zu tun.
Was das in Beziehungen bewirken kann
Aus systemischer Sicht betrifft ein Suchtproblem selten nur eine Person. Partner und Familie spüren die Veränderung: Es entstehen Vorwürfe, Kontrolle, Schweigen oder gebrochene Absprachen. Manche Angehörige übernehmen immer mehr Aufgaben oder decken den Konsum, aus Fürsorge und Angst. Kinder merken oft mehr, als Erwachsene vermuten. Bei Menschen, die allein leben, kann der Konsum Abende füllen und Einsamkeit überdecken, ohne dass jemand es bemerkt. Das ist keine Frage von Schuld, sondern ein Zusammenspiel, das sich verstehen und verändern lässt.
Was im Alltag helfen kann
- Konsumtagebuch: Notieren Sie, wann, wie viel und in welcher Situation Sie konsumieren und wie Sie sich dabei fühlen.
- Auslöser erkennen: Wer seine Risikosituationen kennt, kann Alternativen vorbereiten.
- Verlangen aushalten: Das Verlangen kommt wie eine Welle und lässt meist nach. Ein Glas Wasser, ein Spaziergang, ein Anruf oder zehn Minuten Warten können überbrücken.
- Ziele klären: Möchten Sie reduzieren oder ganz aufhören? Was spricht dafür, was dagegen?
- Auf Rückschläge vorbereiten: Ein Rückfall ist kein Scheitern, sondern eine Gelegenheit, die Auslöser besser zu verstehen.
- Unterstützung holen: Sprechen Sie mit vertrauten Menschen, einer Beratungsstelle oder einer Selbsthilfegruppe.
Wie ich Sie begleiten kann
Als Heilpraktikerin für Psychotherapie arbeite ich mit verhaltenstherapeutischen Methoden, die ich bei Prof. Dr. Anil Batra (Suchtmedizin Tübingen) erlernt habe. Gemeinsam klären wir Ihre Ziele, erkennen Auslöser, entwickeln Strategien für Risikosituationen und üben den Umgang mit Verlangen und Rückschlägen. Auf Wunsch beziehe ich Ihren Partner oder Ihre Familie ein.
Zum Rauchstopp biete ich als WAT-zertifizierte Kursleiterin das Gruppenprogramm „Rauchstopp – Nichtraucher:in“ nach Prof. Dr. Anil Batra an, in Heidelberg und Mannheim. Der Kurs folgt einem verhaltenstherapeutischen Ansatz, findet in kleinen Gruppen statt (maximal 10 Personen) und erfüllt die Anforderungen nach § 20 SGB V. Fragen Sie bei Ihrer Krankenkasse nach einer möglichen Kostenbeteiligung. Termine und Informationen finden Sie unter rauchstopp-heidelberg.com. Vorab können Sie gern ein kostenloses telefonisches Beratungsgespräch von etwa 15 Minuten vereinbaren.
Wichtig sind mir die Grenzen meiner Arbeit: Ich führe keine körperliche Entgiftung durch und verordne keine Medikamente. Wo eine ärztliche Behandlung nötig ist, verweise ich an Hausarzt, Suchtmedizin oder Suchtberatung.
Wann ärztliche Hilfe wichtig ist
- Alkohol: Wer regelmäßig viel trinkt, sollte nicht plötzlich allein aufhören. Ein Entzug kann gefährlich werden und gehört in ärztliche Begleitung. Bei Krampfanfällen, Verwirrtheit, Halluzinationen oder starkem Zittern rufen Sie den Notruf 112.
- Rauchstopp: Zu Nikotinersatz oder Medikamenten lassen Sie sich ärztlich oder in der Apotheke beraten. Eine Beratung zur Nikotinersatztherapie ist Teil meines Rauchstopp-Kurses, die Verordnung von Medikamenten bleibt Ärztinnen und Ärzten vorbehalten.
- Begleiterkrankungen: Bei Niedergeschlagenheit, Ängsten oder körperlichen Beschwerden ist eine ärztliche Abklärung ratsam.
Sie müssen nicht erst am Tiefpunkt sein, um sich Unterstützung zu holen.
